Presse April 2026: Grenchner Quartier-Spielplätze

Chantal Heusser: «Der Austausch mit Müttern auf dem Spielplatz hat mir immer viel gebracht»

Seit 23 Jahren engagiert sich Chantal Heusser für die Grenchner Spielplätze. Jetzt kann sie die Leitungsaufgabe an eine Nachfolgerin übergeben.

Chantal Heusser, langjährige Spielplatz-Verantwortliche bei der Grenchner Kinder- und Jugendförderung, auf dem Spielplatz Lindenstrasse.
Bild: Oliver Menge
Die Grenchner Spielplätze sind mehr als nur ein paar Spielgeräte auf einer Grünen Wiese. Schon seit Jahrzehnten gibt es Frauen, die auf freiwilliger Basis im Sommerhalbjahr für ein Programm auf den Spielplätzen sorgen und damit diese Quartiertreffpunkte attraktiver machen.

1976 wurde die Interessengemeinschaft Spielplätze Grenchen gegründet, die inzwischen unter einem Dach mit dem (professionell geführten) Jugendzentrum Lindenhaus ist. Das rein ehrenamtliche Engagement für die Spielplätze führte dazu, dass dieses stets etwas im Schatten der offenen Jugendarbeit stand, welche auch regelmässig im Gemeinderat thematisiert wird.

An der Spitze des Spielplatzteams steht Chantal Heusser. Sie erinnert sich, wie sie vor 23 Jahren von der damals Verantwortlichen Heidi Grolimund angefragt wurde, bei der Betreuung des Lingeriz Spielplatzes zu helfen. Eine Aufgabe, welche Heusser ab 2004 während zehn Jahren wahrgenommen hat. 2008 wurde sie Vorsitzende des gesamten Spielplatz-Teams und damit auch verantwortlich für die Rekrutierung von Helferinnen.

Immer wieder Helferinnen gesucht
Dies sei nach wie vor die Haupt-Herausforderung, ehrenamtliche Mitarbeitende zu finden, die sich im Sommerhalbjahr (Mai bis Herbstferien) zur Verfügung stellen, um sich jeweils am Mittwochnachmittag auf den Quartierspielplätzen als Betreuungsperson zu engagieren. Zwar wird nicht mehr ganz gratis gearbeitet wie zu Anfangszeiten, doch ist die Spesenentschädigung pro Nachmittag für ein Zweierteam mit 60 Franken nicht üppig.

Dies gilt für die vier Quartierspielplätze Röti, Lingeriz, Schmelzi und Lerchenweg. Chantal Heusser unterstreicht dabei, dass beim Engagement ein finanzielles Interesse nicht im Vordergrund stehe. Angesprochen seien Personen, welche ihre Kinder ohnehin auf die Spielplätze begleiten.

«Viele Mütter treffen sich regelmässig auf den Spielplätzen und schätzen es, wenn das Team die Aktivitäten organisiert», berichtet Heusser. Dies sei in der Regel auch die Gruppe, aus der sie neue Helferinnen für das Team rekrutiert.

Auf dem 2021 neu eröffneten Spielplatz Lindenstrasse ist die Situation professionalisierter: Die Stadt stellt Teilpensen (60 Prozent, derzeit aufgeteilt auf 3 Personen) bereit; dafür ist dieser Spielplatz ganzjährig Mittwoch und Freitag nachmittags betreut und es wird auch ein Ferienprogramm angeboten.

«So gesehen ist dieser Zweig der Kinder- und Jugendförderung in Grenchen gut aufgestellt», sagt Chantal Heusser. Sie hat jetzt auch eine Nachfolgerin gefunden in der Person von Jenny Nussbaum, welche auf die Generalversammlung vom kommenden Juni Heusser an der Spitze der Spielplatzarbeit ablösen wird.

Jenny Nussbaum wird übernehmen
Wie Heusser hat auch Jenny Nussbaum auf dem Lingeriz-Spielplatz ihre ersten Erfahrungen bei der Betreuung gesammelt. Es sei nicht entscheidend, dass Betreuungspersonen auf den Quartierspielplätzen pädagogische Ausbildungen haben. «Ich selber bin Gärtnerin, habe aber vier Kinder grossgezogen, was, denke ich, schon einiges an Voraussetzungen mit sich bringt, die man auf den Spielplätzen braucht.»

In Vollbesetzung würde das Spielplatz-Team elf Personen umfassen, doch die Zeiten, in denen nicht immer zwei Verantwortliche pro Spielplatz bezeichnet werden können, kommen immer wieder vor. Bei weitgehend ehrenamtlicher Arbeit ist dies auch nicht wirklich überraschend.

Umso mehr sei sie froh über erfahrene Mitarbeiterinnen, die sich teilweise über Jahrzehnte engagieren. Allen voran Ursi Beer, die Doyenne der Grenchner Spielplatzleiterinnen oder auch Seemab Hashmi.

Immer willkommen seien neue Gesichter, die sich für eine Saison oder auch mehr zur Verfügung stellen. Vielleicht melde sich sogar einmal ein Mann, Heusser: «In Zeiten der Teilzeitarbeit ist das ja nicht ganz unrealistisch».

Geschichten im Pavillon des Spielplatzes Lindenstrasse.
Bild: zvg
Der Austausch mit Eltern auf dem Spielplatz sei jedenfalls etwas, an das sie gerne zurückdenke. «Das hat mir wirklich viel gebracht», sagt Heusser. Ein Spielnachmittag auf einem Quartierspielplatz hat keine festen Vorgaben. Basteln oder Gruppenspiele können durchgeführt werden und in der Regel gibt es auch ein Zvieri. Vieles hänge von der Kreativität der Betreuungspersonen ab.

Wichtig für Freiwillige: Wer die Betreuung eines Spielplatznachmittags übernimmt, hat damit nicht automatisch die Aufsicht über die Kinder. «Die Aufsichtspflicht bleibt bei den Eltern», erklärt Heusser.

Da sich die Kinder nicht anmelden müssen, bleibt auch einiges dem Zufall überlassen, ebenso die Wetterentwicklung. So fielen letztes Jahr etliche Spielnachmittage in den Quartieren wegen Regen oder auch zu grosser Hitze aus. «Ich hoffe, die Saison 2026 wird wettermässig besser», sagt Heusser.

Was bringt das Unicef-Label?
Gemischte Gefühle hat sie übrigens gegenüber dem «Unicef Label» und dem «Masterplan Spielplätze», den der Gemeinderat letztes Jahr verabschiedet hat. «Es sind zuerst einmal Papiere, die mit Leben gefüllt werden müssen.» Vieles hänge davon ab, ob sich die Politik auch an die selbst gesetzten Massstäbe halte.

Andererseits seien die Dokumente insofern wichtig, als sie der Politik die Bedeutung der Kinder- und Jugendförderung immer wieder vor Augen führen.

© Grenchner Tagblatt, 10.04.2026, Text by Andreas Toggweiler.

Bericht als PDF >> Grenchner Quartier-Spielplätze